Wurzelkönig

Wurzelkönig

Wer biket so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Müsli, vermummt wie ein Kind;
Er hält den Lenker wohl fest am Arm,
Er fasst ihn sicher, das hält ihn warm. –

Mein Weg, was frierest du, so feucht dein Holz? –
Siehst, Müsli du die Wurzeln nicht?
Den Wurzeltrail mit Speed´ und Schweif? –
Mein Rad…, es irret das Licht im Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, fahr über mir!
Gar schöne Sprünge zeig´ ich dir;
Manch´ dornige Hecken am Wegesrand;
Mein Doktor hat manch´ weißes Gewand.“

Mein Müsli, mein Müsli, und hörest du nicht,
Was Ratio mir leise ins Ohr reinspricht? –
„Sei ruhig, bleib ruhig, mein Kind!
Auf trockenen Blättern fahr langsam!  – Geschwind!“ –

„Willst, feiner Knabe, du über mir farhn?
Dein Doktor auf dich wartet schon;
Er trägt dich des nächtlichen Heim
wenn‘s schüttet, dann lässt er’s auch sein.“

„Mein Müsli, mein Müsli, und siehst du nicht dort
Wurzel an Wurzel an düsterm Ort?“ –
Zu schnell, zu schnell, die Brems, ich zieh sie ganz fest;
Es schlägt die nasse Wurzel, sie gibt mir den Rest. –

„Ich liebe es, mich reizt der dunkle Wald;
Und bist du nicht willig, so brauch´ ich Gewalt.“ –
Mein Müsli, mein Müsli, jetzt hebt es ihn aus! –
Wurzelkönig hat ihm viel Leid getan! –

Dem Müsli grauset´s, er biket geschwind,
Er hält sich den Arm, das schmerzende End,
Erreicht das Heim mit Mühe und Not;
Das Rad kaputt, am Arm das Blut.

frei nach Johann Wolfgang von Goethe

Rhythmus und Versmaß in Anlehnung an den Erlkönig

Wutz on Wheelz

Viktor

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