Systemvergleich

Nachdem ich nun einige Touren im vergangenen Jahr mit den beiden MTB-System 650B Hardtail (Aufbaubericht 650B) und 26 Zoll Fully gefahren bin, nur bisher noch keine perfekten Bedingungen für einen Vergleichstest vorgefunden hatte, blieb dieser aus.

Am vergangenen Wochenende war es dann soweit. Ich hatte mir einen Vollgas-Vergleichstest fest vorgenommen!
Nach dem Test war ich dann erst einmal vom Ergebnis absolut „geflasht“. So hätte ich es jetzt dann doch nicht erwartet. Aber schaut selbst:

Die Ausgangssituation:

Samstag:
-1 Grad, trockener und gefrorener Boden. Leider einige Wanderer die ich nur sehr langsam passieren konnte (wie sich das gehört)

Sonntag:
-3 Grad, trockener und gefrorener Boden. Kaum Wanderer! Eine Vollbremsung wegen Wildwechsel.

Die Strecke:
28 Kilometer und 900 Höhenmeter
Ersten 2,2 Kilometer führten über einen Asphaltanstieg bis zum Kraterrand des Laacher See. Von dort über ein Trailband bis zum Anstieg hinauf zur Teufelskanzel. Dieser Anstieg verläuft nach einem kurzen, knackigen Anstieg und einer rasanten sandigen Abfahrt weiter,  zunächst langsam ansteigenden und nachher auf einer steileren  Steigung über einen breiten Waldweg zur Teufelskanzel.
Ganz oben, an der sog. Jägereiche angekommen, verläuft der Weg zunächst gerade bis zum links abgehenden Trail hinunter zum mittleren Höhenrundweg. Diesem folgend bis zur Schützhütte zwischen Wassenach und Nickenich geht es dann wieder über einen steilen Trail hinunter zum Hotel Waldfrieden. Die Teststrecke verläuft von dort aus am Lydiaturm vorbei Richtung Wehr. Wieder am Kraterrand angekommen folgt auf einen harten Schotteranstieg erst ein kurzer(für mich anspruchsvollen) Wurzeltrail hinab, der dann in einen Trail parallel zur Straße nach Maria Laach mündet. Von dort an geht es nochmal moderat bis steil, recht unrhythmisch den Berg hinauf  Richtung Heimat.

Die Testkandidaten:
Cannondale Flash Carbon 650B

Bereifung: Schwalbe Racing Ralph 27,5x 2,25 Zoll.
Laufradsatz: ZTR Crest 650B; Sapim Race-Speichen, Cannondale Naben

650B umbau

Specialized Epic FSR:

Bereifung: Conti Race King 26×2,2 Zoll
Laufradsatz: DT-Swiss XR 1450
Das Fully wird etwas über 10,5 kg wiegen.

Vergleich Bikes

Sonstiges
Zur besseren Vergleichbarkeit bin ich exakt identisch bekleidet, mit gleichem Füllstand der Radflasche auf die Strecke gegangen. Am Samstag Morgen hatte ich allerdings bereits eine kurze Runde Krafttraining eingestreut was micht gefühlt jedoch nicht beeinträchtigte. Ich gab also an beiden Tagen ziemlich Gas.

Fahreindrücke:
Samstags galt es dann erstmal für das  Flash eine Runde auf der hart gefrorenen Teststrecke zu absolvieren.
Ich merkte ziemlich schnell, dass das 650B Bike auf dem ersten Streckenabschnitt, mit hohem Asphaltanteil und dem daran anschließenden Trail Richtung „Läuferparkplatz“ zwischen Maria Laach und Mendig recht gut ging. Die erste schnelle Abfahrt meisterte das Bike mit hoher Laufruhe sehr souverän. Der lange Anstieg in Richtung Teufelskanzel war dann schon sehr ansträngend, da die Piste sehr holprig war und ich dachte, der Reifen würde mit Sekundenkleber versuchen mich an den Boden zu krallen. Den ersten Trail runter Richtung mittlerem Höhenrundweg punktete das Bike durch die unglaubliche Spurtreue und das tolle Einlenkverhalten. Ich musste keinem Loch, keinen Stein und keine Kurve anbremsen. Es ging sehr „flowig“ bergab. Das Steilstück funktionierte perfekt.  In den weiteren Trails punktete das Bike stets mit toller Laufruhe und blieb ganz locker auf Kurs. Schräglage war jedoch nicht der Freund des Reifens, sodass ich hier dann leider etwas Gas rausnehmen musste. Auf den flachen bzw. nahezu flachen Streckenabschnitten wurde ich dann etwas enttäuscht, da sich der „Klebereindruck“ fortsetzte. In dem langen zunächst anspruchsvollen und anschließend schnellerwerden Trailabschnitt ging das Bike wirklich sehr zügig und sicher zu Werke. Das anschließende geholpere bergan kostete Körner. Zu Hause angekommen, waren es, wie bereits erwähnt. 28 KM bei 900 HM. Die Zeit: 1:22:07

Sonntags musste dann das 26 Zoll Fully im Systemvergleich zunächst zeigen, ob es wie häufig in den Bike-Bravos propagiert, das bessere System ist und ob es dann den Riesenräder immer noch Paroli bieten konnte. Auf den ersten Metern mit wirklich guten Beinen merkte ich sofort, dass der Conti RaceKing um einiges schneller war als der Schwalbe. Der Rollwiederstand war fast auf Rennrad-Niveau. So verwunderte es nicht, dass ich am Ende des ersten Abschnittes am Läuferparkplatz bereits einen Vorsprung von knapp 20 Sekunden herausgefahren hatte. Dies war neben dem Rollwiederstand auch dem bessern Fahrverhalten im Trail berauf über den wurzeligen bzw. holprigen Weg geschuldete.

Die Auf- bzw. Abfahrt bis zum längeren Anstieg hinauf zur Teufelskanzel waren dann wieder dank der viel besseren Rollwiderstandswerte des RaceKing von Conti ganz klar das Revier des Fully‘s. Jeder Hubbel wurde geschluckt und kein Schlag ging auf den Rücken. Der Komfort war deutlich besser und ließ mir mehr Reserven für den Aufstieg. Am höchsten Punkt der Strecke angekommen betrug der Vorsprung trotzdem nur 20 Sekunden. Hier machte sich wohl der Gewichtsvorteil, die größeren Laufräder und das bessere Gefühl auf den beiden kurzen Abfahrten, bemerkbar und eliminierte somit den Rollwiderstandsnachteil.

In den Trails bergab dachte ich nun, würde das Fully den Vorspruch uneinholbar ausbauen. Aber weit gefehlt. Im ersten Trail punktete das Cannondale Flash 650B mit deutlich besserer Spurtreue und höherer Laufruhe. Das Fully fühlte sich hier deutlich nervöser an und war daher knapp 10 Sekunden langsamer, sodass der Vorspruch nur noch 10 Sekunden betrug. Die dann folgenden leichten Anstiege mit lockeren Abfahrten und einer sehr kurzen aber steilen Trailabfahrt erhöhten den Vorspruch wieder auf 30 Sekunden.

Der letzte schwierige Trail mit anschließendem flowigen Abschnitt entlang der Straße Richtung Maria Laach war dann wieder das Revier des Flash. Es war auch hier deutlich schneller genau wie im anschließenden Anstieg Richtung Kraterrand. Der Vorsprung sank auf 15 Sekunden. Auf der Rückfahrt Richtung Ziel musste ich samstags noch auf eine langsame Wandergruppe warten, was denn Vorsprung im Ziel wohl auch dank der besser laufenden Conti Reifen  auf dem Asphaltstück, wieder auf 30 Sekunden ansteigen ließ.

Ich war zweimal Vollgas gefahren, fühlte mich mit dem Specialized aber im Anschluss nicht so ausgelaugt wie mit dem Hardtail. Der bessere Komfort sorgte wohl dafür.

Datenauswertung:

Fahrzeug Cannondale Flash Carbon
Hardtail 27,5 Zoll
Specialized Epic FSR
Fully 26 Zoll
Streckenabschnitt
Asphalt + schneller Trail

17,28 Min

17:10 Min

Streckenabschnitt
1x kurze Winklige Abfahrt + Kurzer steiler Anstieg + lange, sandige Abfahrt+ Aufstieg höchster Punkt

35:03 Min

34:44 Min

Trailabfahrt

37:38 Min

37:30 Min

Streckenabschnitt
Moderate Auffahrt, Trailabfahrt, Auffahrt Lydiaturm

56:57 Min

56:24 Min

Streckenabschnitt
schnelle Trailabfahrt + Steilstufe, Wurzeltrail, Flowiger Trail, lange unrhythmische Steigung

1:13:47 Std

1:13:37 Std

Gesamtstrecke

1:22:07 Std

1:21:38 Std.

Fazit: Mit wirklich gleichwertigen Reifen wäre das ganze wohl andersherum ausgegangen. Da wir alle aber noch etwas auf die 650B Contis warten müssen, ist zur Zeit wohl das Fully die bessere Wahl bei den Marathons. Das hätte ich zwar nicht für möglich gehalten, aber die Datenauswertung mit dem Garmin lügt nicht.

Verkäufe

650B Aufbau

ACHTUNG:
Zu beachten, aber nicht zutreffend auf  26er Bikes mit Lefty die von 88 getravelt wurden.
Es besteht bei massivem Durchschlag der Gabel die Gefahr, dass der Reifen dabei in Kontakt mit der Gabelkrone  gerät.
Dadurch ist ein Sturz vorprogrammiert !
Behaltet unbedingt den Luftdruck der Gabel im Auge!
Lieber etwas mehr als zu wenig Luft.
Die Jungs von Toxoholics, dem ServicePartner von Fox,
teilten auf Anfrage des Bike Magazins diesem sogar mit,
dass die Benutzung von 650B Laufrädern in 26 Zoll Fox
Gabeln untersagt sei, obwohl der Einbau problemlos möglich
ist.

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