Ötztaler Radmarathon oder: Das unvollendete Abenteuer

Eines unserer Saisonziele war der Ötztaler Radmarathon am vergangenen Sonntag. Nachdem wir einen Startplatz bei der Verlosung bekommen hatten, begann für uns vier ( Sepp, Oli, Christian, Hein) die Vorbereitung auf das Event. Es sollte einer der Höhepunkte des Jahres werden. Ein schöne Wohnung in Sölden war auch schnell gefunden und gebucht. Alles war soweit gut. Doch manchmal kommt es anders als geplant. Mehr dazu später.

Als erstes wurden bei unserem Unterstützer IQ-Athletik im März die aktuellen Leistungswerte festgestellt. Ausgerüstet mit Tipps und Hinweisen für das Training wurde dann mit der Vorbereitung losgelegt. Regelmäßig haben wir vier unseren aktuellen Leistungsstand dann bei den verschiedensten Veranstaltungen überprüft. Dabei zeigte sich  das unser gezieltes Training langsam zum Erfolg führte und die Leistungsfähigkeit zunehmend besser wurde.

Ab Anfang August begann dann die „heiße“ Phase. Wir begannen jetzt auch damit öfters mal die Wettervorhersage zu schauen. Die ersten Vorhersagen  zwei Wochen vor dem Rennen deuteten schon darauf hin das sich die Großwetterlage von schön auf schlecht ändern würde.  Aber es war ja noch etwas Zeit bis dahin. Vier Tage vor dem Start waren dann die Vorhersagen, insbesondere für den Renntag, sehr schlecht. Die Aussicht auf ein Regen/Schneerennen trübte natürlich die Vorfreude. Intensive Diskussionen unter uns folgten.

Was machen wir?
Absagen?
Nach der guten Vorbereitung und so kurz vor dem Ziel. Eine sehr schwere Entscheidung, die sich keiner von uns leicht gemacht hat. Noch am Tag der Abfahrt nach Sölden war nicht klar ob wir fahren. Morgens dann noch mal eine „Konferenz“  mit dem Ergebnis das Christian und ich uns entschlossen haben nach Sölden zufahren. Sepp und Oli haben aus nachvollziehbaren Gründen abgesagt.

Das Auto war schnell beladen und los ging es, jetzt nur noch zu zweit, nach Sölden

081Ohne Stress  verlief dann die Anfahrt und wir erreichten nach knapp 7 Stunden Sölden. Zwar war der Himmel wolkenbedeckt doch die Temperaturen waren mit 24° sehr angenehm.  Der erste Weg führte uns dann zur Starterpaketausgabe. Anschließend ging es zur Wohnung. Mit uns angekommen dann auch die ersten Regentropfen.

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Nachdem Gepäck und Räder ausgeladen und verstaut waren wurde erst einmal ein leckeres Kohlehydratmahl gekocht. Nudeln mit Soße 🙂  Und dann haben wir studiert. Nein wir haben nicht angefangen Vokabeln zu lernen, aber ich glaube wir haben noch nie so viele Wetterdienste und Berichte abgerufen wie an diesem Abend. Doch egal wo wir nach gesehen haben, die Aussichten für Sonntag waren beschi…. Immer wieder haben wir alle möglichen Argumente für einen Start und dagegen abgewogen und sind dann am Ende schweren Herzens zum Entschluss gekommen:

WIR FAHREN NICHT AM SONNTAG 😦

Oh man tat das weh. So kurz vor dem Ziel und dann doch nichts. Aber die Vernunft hat gesiegt und das war auch gut so!

So ganz ohne Bergfahrt wollten wir natürlich nicht zurück. Für den Samstag war noch bis zum Nachmittag gutes Wetter vorhergesagt. Daher war das unser Tag. Unser Ötztaler. Ziel war die Überquerung des Timmelsjoch  von beiden Richtungen.

Nach einem guten Frühstück am Samstag ging es dann gut gelaunt für uns los.

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Richtig schönes Radwetter hatten wir. Kaum vorstellbar das zum Nachmittag hin der große Regen kommen sollte. Von Sölden aus hat die Auffahrt zum T-joch knapp 1400hm auf 26km. Schon eine ordentliche Rampe. Locker einfahren war auch nicht möglich, da es sofort hoch geht. So um die 8%-10% ist die Steigung fast durchgehend. Es gibt aber auch Stücke die sind steiler. Auf dem Tacho sieht das dann so aus 🙂  CIMG6928

Ist schon ganz schön steil, vor allem lang und steil. Aber die Landschaft ist toll und trotz der Anstrengung macht es richtig Spaß. Eine kleine Verschnaufpasse hat man dann in der Ortslage Obergurgl. Doch man sollte sich nicht zu früh freuen. Die nächste Rampe zur Mautstelle Timmelsjoch folgt umgehend. Hinter dieser geht es dann noch einmal kurz 150hm runter bevor der finale Aufstieg beginnt

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Oben angekommen ist man auf knapp 2509m. Und man merkt schon das die Luft hier etwas dünner ist. Wahnsinnig beeindruckende Landschaft hier oben. Doch was uns jetzt erwartet ist auch wahnsinnig. Eine Abfahrt 30km lang und 1800hm tief! Die ersten Meter bis zum Timmelsjochtunnel sind noch moderat, aber dann!!!

Unglaublich wie tief und steil es runter geht. Und das ganze mit „simplen“ Felgenbremsen. Ein wenig flau ist einem schon im Magen, doch man freut sich auch auf das was kommt. Schön sind auch die in den ersten Kurven befestigten Trikots der vergangenen Öztaler. Doch es bleibt keine Zeit das länger zu betrachten, die Abfahrt verlangt volle Konzentration. Während der Abfahrt geht uns beiden durch den Kopf das wir auch hier wieder hoch müssen. DAS WIRD HART!!! Doch zuerst gab es nach der Abfahrt als Stärkung in St. Leonhard einen schöne Kaffee und ein leckeres Stück Kuchen. CIMG6946

Viel zu kurz war die Pause. Die schlechten Vorhersagen mahnten zum Aufbruch. Schließlich  standen uns jetzt gut drei Stunden steil aufwärts bevor! Nach dem Ortsausgang von St. Leonhard sollte es dann fast durchgehend, bis zur Alpe Schönau auf der Hälfte der Strecke, mit 10% und mehr Steigung hoch gehen.

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Und wenn man dann an der Alpe angekommen ist und den Berg hoch schaut, mag man  kaum glauben das man die letzte Etappe auch noch schafft. Die Beine brennen und es sind noch gut 1200hm hoch. Man sieht die Serpentinen von weiten am Berg und glaubt es nicht. Es kommt der Zeitpunkt da tritt man einfach nur noch und ist froh nicht um zu fallen weil man so langsam ist. Kurve um Kurve geht es höher und es nimmt kein Ende.

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Doch irgendwann kommen wieder die Serpentinen mit den Trikots. Jetzt ist es nicht mehr weit

Und dann ist man oben und einfach froh und stolz es geschafft zu haben.

1800hm am Stück!

Kurz noch einmal die Klamotten gewechselt und auf geht es in die Abfahrt ( Spitzengeschw. über 90km/h !)  nach Sölden. Unterwegs fallen schon die ersten Regentropfen. Zur Wohnung  müssen wir noch mal kurz und knackig 80hm steil hoch und es ist geschafft. Kaum da, sieht der Himmel so aus:CIMG6959

Haben wir ein Glück!!!

Eine tolle Tour, auf die wir auch ein wenig stolz sein können, haben wir hinter uns gebracht. Heute Abend wird nicht gekocht. Wir gehen nach Sölden und hören uns noch an was bei der Fahrerbesprechung gesagt wird um anschließend lecker zu essen.

Am nächsten Morgen begrüßt uns der Tag mit folgender Aussicht

Und wieder waren wir uns sicher  richtig entschieden zu haben. Dauerregen, Schneefall und eisige Temperaturen muss man sich nicht auf dem Rad antun. Respekt vor allen Teilnehmern die gestartet sind. Mit uns haben noch ca. 700 Biker sich entschlossen nicht zu starten. Von den gestarteten 3300 Teilnehmern haben dann noch über 1100 bereits am ersten Berg ( Kühtai) oder nach der Abfahrt nach Innsbruck noch aufgegeben. Rund 2200 haben das Ziel erreicht. Wir haben mit dem guten Gefühl alles richtig gemacht zu haben. In Ruhe unser Klamotten gepackt und sind zurück gefahren. Sölden und das Öztal haben uns dann so verabschiedet.

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Ein richtiges Sauwetter. Das uns dann noch auf dem gesamten Heimweg begleitet hat. Spass hatten wir die Tage und schön war es auch, doch das Abenteuer Öztaler ist noch nicht beendet. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir kommen wieder und rocken die Berge!!!

Wutz on Wheelz

Hein

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