Kathi und ihr erstes Mal per MTB

Nach Jahren des Asphalt lutschens und zahllosen Straßenrennen, wurde ich überredet beim Schinderhannes 2015 teilzunehmen.
Was ich mir antat und ein paar Gedanke dazu.

Etwa 25 Minuten mauszeigerschwebend zögernd whatsappend Ausreden suchend gebraucht um mich anzumelden – jetzt saß ich im Auto auf dem Weg zu meinem ersten MTB-Rennen überhaupt. MTB und ich – meistens eine nicht sehr elegante Kombi aus einem felgengebremsten 400€-Gefährt mit kaputter Federgabel und einer übervorsichtigen Angsthasin.
Aber der Schinderhannes sei „technisch einfach, überhaupt nix, nur Feldwege, kannst du locker fahren“, so Jens, der drei Wochen Überzeugungsarbeit geleistet hatte und dem ich jetzt den Start verdankte.
Die Startnummer ungewohnt vorne an den Lenker (nein, nicht auf den Rücken) des dankenswerterweise geliehenen Rades; immerhin das Auschecken des Materials und der Beine der Mitstarter und das Warmfahren laufen nach beruhigend gewohnter Renn-Routine ab.

Noch ist alles gut, nur ein ganz wenig zittern …….

Am Start verzieht sich Jens weiter nach vorne, ich bleibe hinten bei hoffentlich etwas langsameren Fahrern.
Treffe noch Jürgen und Astrid im Polcher Trikot, die beiden herzlich und lieb wie immer, das beruhigt etwas.
Los geht’s auf die vom Sprecher angekündigte „Einführungsrunde“, und nach 300 m ist vor mir soviel Staub aufgewirbelt wie ich es nur von den Dokus im TV über Herdenwanderungen in der afrikanischen Serengeti kenne.
Die Kontaktlinsen freuen sich.
Nach 4 km stehe ich das erste Mal ausgeklickt neben dem Weg, habe mich versteuert in einer Traktorspur auf der (trockenen!) Strecke.
Kurz der Gedanke „Wenn ich hier schon so rumhampel, was passiert dann erst bei Wurzeln und richtigem Gelände?“
Nu ja, weiter geht’s mit steigender Verzweiflung als die Strecke nur bergab führt und ich mein laut kettenschepperndes gefühlt bockendes MTB unter mir festhalte.
Jürgen ist längst nach vorne verschwunden, und ich stehe in der nächsten Kurve neben der Strecke, diesmal warum auch immer.
Nehme etwas Gras im Schuh als Trophäe mit und fange an mich zu ärgern.
Laut Höhenprofil auf meinem Oberrohr geht’s jetzt richtig in die Abfahrt – tut es auch, stelle ich fest und schleiche laut „sorry, sorry“ rufend vor einigen geduldig ihre Bremsbeläge abnutzenden Fahrern her.
Zu Fuß stolpere ich so schnell es geht die kurzen steilen Passagen runter.
Frage mich wann man denn mal einen Schluck trinken soll und überhaupt, was sollen denn die ganzen Wurzeln und Abfahrten, warum veranstaltet man Radrennen auf eindeutig für den Fußgebrauch geschaffenen Wanderwegen?
Aaaah, ein Stück Asphalt. Zeit für ein Gel, ein Schluck Wasser und ein paar Worte der Vernunft an mich selbst.
Ich bin augenscheinlich die einzige, die hier über das Gelände meckert, und es ist schließlich ein MTB-Rennen, also hör gefälligst auf damit.
Bergauf eine Wohltat, endlich fahren bis es wehtut und nebenbei noch 20 Leute überholen.
Die fahren zwar 5 Minuten später wieder bergab an mir vorbei, aber gut angefühlt hat es sich.
Das Spiel wiederholt sich dann, irgendwann grüßen sie freundlich, einige feuern gar an.
Der Umwerfer schafft es mittlerweile nicht mehr aufs kleine Blatt, aber in der Zwischenzeit bin ich im Rennmodus, es ist egal und wozu gibt‘s Muskeln.
Endlich sehe ich vorne ein Polcher Trikot, da ist Jürgen. Schnell aufschließen.
Vor mir aufgereiht eine Fahrerschlange, bergan auf ruppiger Wiese.
Da will ich vorbei, überhole einige, Jürgen schickt mir noch einen wohlmeinenden gekeuchten Fluch hinterher.
Vorne jetzt alleine auf zur nächsten Abfahrt, die prompt aus Wurzeln und schmalerem Weg nebst gefühltem 300m-Abgrund besteh ( mindestens 😀 ) .
Ich eiere zeternd rum, bis mir eine ruhige Stimme direkt hinter mir empfiehlt, in den Klicks zu bleiben und „laufen zu lassen“. Jürgen schon wieder.
Nach einer knappen Minute und vielen überraschten Bremsmanövern seinerseits an meinem Hinterrad hat er genug, kündigt höflich an links zu überholen und tut das auch.
Rechts runter der nächste Abhang, mein Polcher Kollege saust runter, ich steige ab, meckere einen unschuldigen und perplexen Streckenposten an, was denn diese ständigen blöden Abfahrten sollten, die mich nur „voll die viele Zeit“ kosten würden und rutsche unelegant bergab.
Danach wieder bergauf wütende Verfolgungsjagd – zum Glück geht es das letzte Drittel fast nur berghoch, ich überhole Jürgen endlich final und sehe ihn erst im Ziel wieder.
Stolz gerettet….An den Zuschauerpunkten wird angefeuert was es das Zeug hält, toll, da holt man das letzte aus sich raus.
Warum man allerdings jetzt noch gefühlte 2 km in Schlangenlinien über eine holprige Wiese muss anstatt direkt geradeaus ins Ziel zu fahren – die MTBiker stehen wohl aus sowas.
Wäre der Puls nicht wieder über 190 würde ich nochmal wütend werden.
Im Ziel entsprechend fertig aber happy.
Erste Eindrücke mit Jens austauschen, der Pech hatte mit einem Sturz, aber heil geblieben ist.
Er ist gute 20 Minuten vor mir im Ziel gewesen….Ihm bleibt mein angedrohter Zorn erspart, weil es so schlimm ja doch nicht war und eh keine Power mehr da ist.

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Platz 2 in der Altersklasse gab‘s ja noch (ok, wir waren nur 5 Ladies), und Rang 225 von etwa 430 Gestarteten insgesamt über die 40 km-Strecke. Zufrieden dann doch, so als „Geradeausfahrerin“ (Zitat Astrid B.)
Cooles Event, super organisiert, und mit etwas mehr MTB-Übung auch sicherlich spaßiger bergab.
Sorry an alle die wegen mir warten mussten! Dennoch gute 2 h in denen man sich keine Konzentrationspause erlauben darf und super trainiert.

Die Kathi

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4 Kommentare zu “Kathi und ihr erstes Mal per MTB”

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